WSC - Hauptsponsoren

 

  • Erzgebirgssparkasse
  • Klosterbrauerei Weltenburg GmbH
  • Adler-Apotheke Oberwiesenthal
  • Paper + Design GmbH tabletop
  • Bad Brambacher Mineralquellen GmbH & Co. Betriebs KG
  • KabelJournal® GmbH - Die Denkarbyter®

Offizielle Partner

Saison 2017/2018

 
04.10.2012 15:23 Alter: 5 yrs
Kategorie: WSC - Skisprung / Nordische Kombination

Mehr als nur ein guter Freund

Severin Freund sicherte sich den Tagessieg in der Vogtland-Arena, Andreas Wank triumphierte in der Grand-Prix-Gesamtwertung. Im deutschen Skisprung herrscht eine Aufbruchstimmung.


Klingenthal – „Ein Freund, ein guter Freund“, schallte es durch die Lautsprecher der Vogtland-Arena. Severin Freund riss die Ski in die Luft und grüßte das jubelnde Publikum. Was für ein Tag für den 24-Jährigen, der noch am 16.April auf dem Operationstisch einen Bandscheibenvorfall behandeln ließ. „Ich habe den ganzen Sommer vor dem Fernseher gehangen und mir die Wettkämpfe der Kollegen angeschaut. Das war nicht einfach. Umso glücklicher bin ich jetzt“, schwärmte Severin Freund nach seinem Meisterstück.
Nach elf vergeblichen Anläufen im Sommer-Grand-Prix und beiden Weltcups im Winter segelte nun endlich ein deutscher Schanzenadler in Klingenthal aufs Podest.137,0 und 136,5 Meter reichten dem Mann aus Waldkirchen, der Tennis-Ass Novak Djokovic bewundert, um bei seinem zweiten Grand-Prix-Start in dieser Saison zu triumphieren. Am Sonntag in Hinzenbach/Österreich hatte der Bayer als Zweiter bereits seine wiedergewonnene Stärke bewiesen. Drei Tage später war er mehr als nur ein guter Freund, der beste des Tages in einem Weltklassefeld, in dem nur der Schweizer Simon Ammann fehlte.
„Vor meinem Comeback hatte ich gesagt, dass die Ergebnisse uninteressant sind. Jetzt ist es einfach nur schön, zurück zu sein, und dann noch so...“, sprudelte es aus Severin Freund, der im Januar 2011in Sapporo seinen ersten Weltcupsieg landete, heraus.
Wichtigster Faktor für die erfolgreiche Rückkehr war seine Geduld. Nach einer Elefantenrunde Anfang Mai mit Therapeuten, Ärzten, Trainern und Funktionären entschied sich der Athlet dafür, die Reha stationär in einer Klinik zu absolvieren. Ein goldrichtiger Entschluss, wie sich im Nachhinein herausstellte. „Ich habe mir die Zeit genommen, die ich brauchte. Das war wichtig“, erinnerte sich Severin Freund: „Und in manchen Bereichen habe ich hinzugelernt.“ Zudem schaffte er es in kürzester Zeit, sich auf die neuen, eng anliegenden Sprunganzüge umzustellen. „Ich habe mir viel von meinen Trainingskollegen dazu erzählen lassen und mich nicht verrückt gemacht. Das hat letztlich ganz gut funktioniert“, erzählte Freund.
Im Mai war an so einen Ausklang des Sommers jedenfalls nicht zu denken. Ende Juni begann Freund wieder spezifisch auf der Schanze zu trainieren, im September kehrte er ins Nationalteam zurück. Schon vergangen Winter hatte er immer wieder beim Krafttraining Rückenschmerzen, sodass eine OP nicht mehr zu umgehen war. Und Ironie des Schicksals: Der Eingriff brachte dem Studenten für Internationales Management- so abwegig das klingen mag – auch etwas Gutes. Denn in der Rehabilitation, so erklärte Bundestrainer Werner Schuster, „hat Severin seinen Körper besser kennengelernt. Da fällt es nicht so ins Gewicht, dass er in seiner Absprungkraft erst bei 90 Prozent seines Niveaus liegt“, schätzte Schuster ein. Der Österreicher, inzwischen viereinhalb Jahre Bundestrainer, wirkte gestern erleichtert, aber nicht euphorisch: „Sommer bleibt Sommer, und im Winter wird abgerechnet. Dennoch machen uns die Ergebnisse Mut, dass wir in den nächsten drei Jahren eine frische junge Mannschaft an den Start bringen, die auch Titel gewinnen kann“, meinte der Coach.
Noch nie hatten deutsche Springer so viele Siege wie diesen Sommer eingefahren. Und die jungen Adler werden langsam flügge. Der 19-Jährige Karl Geiger aus Oberstdorf unterstrich dies gestern auf Rang 14 und war damit drittbester Deutscher. Andreas Wank ließ sich ebenso als 15. von den angereisten Fans herzen. Der Grand-Prix-Gesamtsieg des Thüringers reihte sich ins Bild der glücklichen Deutschen am Tag der deutschen Einheit ein. Bundestrainer Schuster frohlockte und warnte zugleich: „Wie oft sind wir hier geprügelt aus der Arena gegangen. Das Erfolgserlebnis tut uns allen gut. Aber wir dürfen uns nicht anlehnen, müssen vor allem körperlich für einen langen kräftezehrenden Winter noch einiges tun.“ Sein gestriger Paradeflieger Severin Freund stand daneben und nickte zustimmend.

Quelle: Freie Presse (04.10.2012)